Alemannisch für Anfänger
Als erstes lerne ich, dass Alemannisch nicht gleich Alemannisch ist. In Bregenz spricht der Alemanne anders als in Basel oder Zermatt. Ich will mich aber in Freiburg verständigen können, also üben wir Niederalemannisch. Die erste Lektion ist einfach: Das "n" am Ende mehrerer Wörter und dieses "e" in der Vorsilbe fällt weg. Statt "sagen" heißt es also "sage", statt "gemacht" sagt der Alemanne "gmacht". Meine Trainerin lächelt: "Alemannisch ist eine ganz sparsame Sprache - was man sich sparen darf, spart man." Soweit klar. Auch die Aussprache hat es in sich, denn sie ist wesentlich weicher als im Hochdeutschen: Aus "praktisch" wird "bragdisch", aus "poltern" wird "boldere".
Als nächstes steht die Konjugation des Verbs auf dem Lehrplan. Zudem somit existiert Unterschiede. Die zweite Person Singular endet im Alemannischen nicht auf "t", sondern auf "sch", also nicht "du suchst", sondern "du suchsch". Schön ist, dass man im Dialekt auch Formulierungen benutzen darf, ja selbst muss, die einem der Deutschlehrer um die Ohren gehauen hätte. Ein Beispiel: Relativsätze. Statt "der Mann, der mir begegnet ist", soll ich jetzt prima Gewissens sagen "de Mann, wo mir begegnet isch".
Nach so gerne Neuem brummt mir der Kopf, doch es wartet noch der Abschlusstest: Ich muss den Satz "Am Dienstag mache ich Zwiebelkuchen und Bratkartoffeln und zum Nachtisch gibts noch einen Kirschkuchen" fehlerfrei auf Alemannisch sagen. Ich brauche drei Anläufe, bis meine Sprachtrainerin zufrieden nickt, denn jedes Mal schleicht sich ein Fehler ein. Beim letzten Versuch klappt es endlich: "Am Zischdig mach i Zibelewaihe un Brägeli un zum Schluss gits noch ä Griäsekueche."