Alemannisch in Tovar

 

Jetzt eine Textprobe des Tovarer Alemannisch, die Hammann 1991 aufgenommen und erstmals veröffentlicht hat. Ich dokumentiere die von H. Hammann mir übergebene (neuere) Fassung; seine Schreibweise ist (mit Ausnahme seiner i-Zeichen) beibehalten. Sein 'á' wird gleich ausgesprochen wie sein 'è' ‚ beides entspricht unserem á. Im Text erzählt der alte Tovarer José Breidenbach von einem früheren Pfarrer in der Colonia:

" 'S Gèld, wun-r als no bikumme hét vum-e Kind taife odr vun-re Mèss, hét-r in e Tépfli tua, un wènn ihm ébbr ébbis gèh hét vum-e Kranke, wu si kumme sin go Mittl mache-n odr ébbis, hét-r gsait: "I hab d Mittl nit, awr i gib-dr dr Zéétl, koifs dert!"- "Un was bin-i schuldig?"- "Wènn-dr hésch, se gisch-mr ébbis. Wènn-dr nit hésch ..." se hán si-m nit gèh. Un wènn si-m ébbis gèh hàn, se hétr-s bsundr ghaa. Mit sèllem hèt-r koift was-r brücht hét. I bin allewiil biin-m gsii. Dènn wènn e Hièsige kummen-isch, so e Venezolanr wu krank gsii isch odr hét e Kranks ghaa, haw-i mièse goh go mi Vattr rièfen-un sage: "Kumm, dr Pfarr brücht di dert oowe, dènn dr muasch e-Sach iwrsétze". Mi Vattr hét als ihm e-Sach iwrsétzt, bis-r d-noo e-Sach gheerig vrschtande hét uf Spanisch ..."

Wer diesen Text unbefangen liest, kann natürlich nicht auf die Idee gelangen, daß es die Mundart einer Urwaldsiedlung Südamerikas ist; man könnte tatsächlich meinen, es sei heutiges Alemannisch aus dem nördlichen Breisgau oder dem Kaiserstuhlgebiet. Man merkt allenfalls, daß der Wortschatz manches knapp ist; mit 'Mittl' meint J. Breidenbach natürlich Medizin. Im Vergleich mit dem Tovar-Ditsch zeigt sich ganz deutlich die Beständigkeit des Alemannischen am Kaiserstuhl und in der nördlich angrenzenden Rheinebene.